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ConsultationKlasse 3–4
Semmel oder Brötchen? Schornsteinfeger oder Kaminkehrer? Viele Menschen denken, es gibt genau ein gutes Hochdeutsch. Aber das stimmt so nicht: Die Standardsprache ist vielfältig, wenn wir sprechen und auch wenn wir schreiben.
Wusstest du schon?
Hochdeutsch unter der Lupe – warum es vielfältiger ist, als du vielleicht dachtest
Manche Menschen denken, es gibt genau ein gutes Hochdeutsch; damit meinen sie die deutsche Standardsprache, also die Sprache, die wir zum Beispiel in Büchern und in der Zeitung lesen. Aber stimmt das? Also gibt es nur eine richtige Standardsprache?
Nein! Wenn man auf Spurensuche geht, sieht man: Die Standardsprache unterscheidet sich von Region zu Region. Zum Beispiel im Wortschatz, in der Schreibweise, in der Grammatik und in der Aussprache.
Ein Beispiel ist das Wort heuer. Es bedeutet „dieses Jahr“. Viele Menschen denken, „heuer“ ist ein Dialektwort. Aber in Bayern, Österreich und der Schweiz ist „heuer“ Teil der Standardsprache und steht in der Zeitung.
Wir können Wörter auch unterschiedlich schreiben: Das Wort kuschelig zum Beispiel steht in verschiedenen Zeitungen mit e und ohne e.
Und auch bei der Grammatik gibt es Unterschiede. Bei Verben wie stehen oder sitzen schreiben Menschen im Süden „ist gestanden“. Im Norden schreibt man „hat gestanden“.
Je nachdem, wo Menschen wohnen, sprechen sie Wörter unterschiedlich aus. Zum Beispiel sagen sie dazu Kemie, Schemie oder Chemie.
Wir stellen also fest: die Standardsprache ist vielfältig. Und das ist ganz normal.
Wenn also in einem Gespräch mal wieder jemand sagt: „Es heißt nicht Kemie, sondern Chemie“, dann weißt du: Es gibt hier kein richtig oder falsch, denn die Standardsprache ist vielfältig.
Ammon, U., Bickel, H., Lenz, A. N. (Hrsg.). (2016). Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol sowie Rumänien, Namibia und Mennonitensiedlungen. 2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. De Gruyter. https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110245448/html?lang=de&srsltid=AfmBOorpY2zR8U0H69h0jQl80OziANkl1uqRnFwkwQspHvS1JCr2syAl
Elspaß, S. & Kleiner, S. (2019). Forschungsergebnisse zur arealen Variation im Standarddeutschen. In J. Herrgen & J. E. Schmidt, unter Mitarbeit von H. Fischer & B. Ganswindt (Hrsg.), Sprache und Raum: Ein internationales Handbuch der Sprachvariation (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft / Handbooks of Linguistics an Communication Science (HSK) 30⁄4) (S. 159–184). De Gruyter Mouton.
Kleiner, S. (2011ff.). Atlas zur Aussprache des deutschen Gebrauchsstandards (AADG). Unter Mitarbeit von Ralf Knöbl. http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/
Variantengrammatik des Standarddeutschen (2018). Ein Online-Nachschlagewerk. Verfasst von einem Autorenteam unter der Leitung von Christa Dürscheid, Stephan Elspaß und Arne Ziegler. Open-Access-Publikation [https://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Start].
